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Stand: 11.09.2016

Pressemitteilung

Interessierter Blick in soziale Arbeit vor Ort

Christian Baldauf zu Gast in FrankenthalDie Teilnehmer der Gesprächsrunde: (von links) Donya Teymouri, Viola Kunert, Claudia Wetzler, Marlen Bauer und Christian Baldauf.Henning Wiechers / Caritasverband für die Diözese Speyer

Rund zwei Stunden Zeit nahm sich Christian Baldauf für ein Gespräch in der Frankenthaler Außenstelle des Caritas-Zentrums Speyer mit den Leiterinnen und Mitarbeiterinnen in den Bereichen der Allgemeinen Sozialberatung und des Bundesfreiwilligendienstes (BFD). Der in Frankenthal geborene und hier lebende CDU-Fraktionsvorsitzende und Oppositionsführer im Rheinland-Pfälzischen Landtag, der auch dem Bundesvorstand der Partei angehört, folgte der Einladung der Caritas-Zentrums-Leiterinnen Claudia Wetzler und Marlen Bauer anlässlich des bundesweiten Aktionstages zur Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) am 30. Juni sowie des zehnten Jahrestages des Dienstantritts der ersten Teilnehmer beim Bundesfreiwilligendienst (BFD) am 1. Juli.

Neben Wetzler und Bauer informierten die BFD-Leistende Donya Teymouri und die BFD-Anleiterin Viola Kunert den Gast, der ihnen in dem Austausch mit vielen interessierten Nachfragen und einem offenen Ohr für Verbesserungs- und Unterstützungswünsche begegnete.

Ein zentrales Element dieses Austauschs war der Bericht von Donya Teymouri, die sowohl ihre eigene Migrationsgeschichte, als auch ihre Erfahrungen als BFD-Leistende schildern konnte. Die aus Afghanistan stammende und heute in der Vorderpfalz lebende junge Frau hat sich entschieden, nach dem Abschluss ihrer Schulausbildung und vor dem Antritt ihres BWL-Studiums zum diesjährigen Wintersemester, beim Caritas-Zentrum Speyer einen Bundesfreiwilligendienst zu leisten - auch als Dank für erfahrene Unterstützung, wie sie betonte. "Die Caritas hat mich sehr unterstützt, mir ganz oft geholfen".

Seit 13 Jahren lebt sie mit ihren Eltern und drei Geschwistern nun in Deutschland. Der Weg hierher sei lang gewesen, begonnen hat er mit der Flucht aus Afghanistan und einem mehrjährigen Aufenthalt im Iran unter den Einschränkungen, denen auch dort Flüchtlinge unterworfen seien. Der Vater, der Ingenieurswesen studiert hatte, habe seitdem in seinem Beruf nicht mehr arbeiten können. Die Familie sei auf Transferleistungen angewiesen, auf die auch die 500 Euro Taschengeld für ihren BFD zu einem Großteil angerechnet würden. Für ihre Geschwister und sie zeichne sich allerdings eine bessere Perspektive durch hiesige Ausbildung und Einbürgerung ab, die für Donya Teymouri selbst jetzt im Herbst ansteht. Ihre Aufgabe aktuell im BFD sei es, diejenigen, die sich an das Caritas-Zentrum wenden, je nach den individuellen Anliegen an die richtigen Ansprechpartner*innen zu vermitteln, ihnen also den Weg zum passenden Hilfsangebot zu öffnen. BFD-Anleiterin Viola Kunert betonte, wie wertvoll dieser Dienst für das Beratungszentrum ist und wie dankbar sie Donya Teymouri für ihren Einsatz sei.

Von Claudia Wetzler und Marlen Bauer erhielt Christian Baldauf Informationen zur Struktur des Caritas-Zentrums mit seinen Außenstellen und zu den angebotenen Diensten wie auch zu den unterschiedlichen Quellen der Mittel, die diese Dienste möglich machen. Christian Baldauf hatte eine ganze Reihe von Fragen, deren Antworten  den Überblick vertieften. Die Interessensschwerpunkte des Politikers  waren dabei unter anderem die Attraktivität des BFD, Möglichkeiten und Effektivität der Arbeit mit und für Migranten sowie die soziale Situation konkret in Frankenthal,  wie sie sich den Caritas-Mitarbeiterinnen in den verschiedenen Fachdiensten offenbart.

So konnte Baldauf  erfahren, dass es sich bewährt habe, beim BFD - den im Bistum Speyer derzeit rund 60 Mitarbeitende leisten - auf die Freiwilligkeit zu setzen. Der Dienst finde trotzdem seine Interessenten. "Man muss schon Werbung machen", erklärte Viola Kunert und fügte an, dass sie immer auch mit ein wenig Spannung der Neubesetzung einer Stelle beim Abschied von BFD-Mitarbeitenden entgegensehe. Eine Bremse für die Attraktivität sei die Vergütung, die ja lediglich in Form eines Taschengelds anfalle und im Vergleich zum Sold von Wehrdienstleistenden sehr gering sei. Eine Erhöhung des Taschengeldes, freie Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln, eine bessere Anrechnung auf die spätere Rente oder auch erweiterte Möglichkeiten der Ausbildungsförderung für BFD-Absolventen wurden in der Runde als mögliche Attraktivitätssteigerung diskutiert.

Im Austausch über die Migrations- und Integrationsberatung erfuhr der Gast, dass die eigentliche MBE - also die Beratung von Migranten ab 27 Jahren mit Aufenthaltsrecht oder positiver Bleibeperspektive - im Bereich des Caritas-Zentrums Speyer nicht von der Caritas, sondern von anderen Trägern der Wohlfahrtspflege angeboten wird. Die Caritas berät aber dennoch in der Sozialberatung und im Migrationsfachdienst im nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis in Frankenthal Menschen mit Migrationsgeschichte. Und Claudia Wetzler und Marlen Bauer berichteten von deren Hauptproblemen - etwa Wohnungs-, Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche, Spracherwerb und Angelegenheiten des Aufenthaltsrechts. Allgemein setzten die Hilfen zur Integration recht spät nach Ankunft der Migranten in Deutschland an - so gehe wertvolle Zeit verloren, berichtete Claudia  Wetzler.

Die Corona-Pandemie erforderte es, neue Wege der Kommunikation zu finden. Obwohl Beratungen telefonisch oder online stattfanden, hatten viele Ratsuchende den Wunsch nach einem persönlichen Treffen. So können in der Beratungsstelle in Frankenthal unter Einhaltung der Hygieneregeln, Abstand und Terminvereinbarung auch weiterhin Präsenzberatungen angeboten werden, die rege in Anspruch genommen werden.

Die beiden Leiterinnen machten deutlich, dass eine stabilere finanzielle Ausstattung der Arbeit des Caritas-Zentrums sehr förderlich sei. Ermöglicht werde diese Arbeit zum Teil über Landes- und Bundesprogramme, aber vielfach durch den Einsatz von Eigenmitteln ohne Zuschüsse von öffentlicher Hand - deren Einrichtungen wie etwa Jobcenter allerdings durchaus davon profitierten. Ein höheres Zuschussaufkommen könne da einen Ausgleich schaffen.

Christian Baldauf bekundete Verständnis für die Probleme und Wünsche, nannte selbst auch Ansätze für Verbesserungen. So brachte er etwa Sprachkurse für Migranten unabhängig vom Bleiberecht ins Gespräch, ebenso Anreize für Menschen, die ihre Integration aktiv voranbringen und für diejenigen, die sich in freiwilligen Diensten engagieren. Er versicherte, sich im Rahmen seiner politischen Möglichkeiten - "Ich kann nichts versprechen" - einzusetzen. Und er lud die Mitarbeiter*innen des Caritas-Zentrums zu einem Besuch in Mainz ein.

Text und Foto: Henning Wiechers für den Caritasverband für die Diözese Speyer

 

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