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Stand: 11.09.2016

Pressemitteilung

Viele Veränderungen miterlebt

Rita Seiler Abschied

Heute wird sie im Kreise ihrer Kollegen feierlich verabschiedet: Rita Seiler, langjährige Mitarbeiterin in der Verwaltung des Caritas-Zentrums Speyer, geht zum 31. Oktober diesen Jahres in Ruhestand. Ihr letzter Arbeitstag wird der 16. September sein. Mit Rita Seiler geht fast schon eine Institution. Am 1. Juli 1971 ist sie in den Dienst des Caritasverbandes Speyer eingetreten. Seitdem hat sie alle Veränderungen miterlebt, ist mit ihrem Büro mehrfach innerhalb Speyers umgezogen und hat mit ihrer Tätigkeit geholfen, die Suchtkrankenhilfe des Caritasverbands in Speyer aufzubauen.

Erst 16 Jahre alt war sie, als sie in der Schule des Klosters St. Magdalena die Mittlere Reife abschloss. Und eigentlich hatte sie sich auf einen Urlaub eingestellt, ehe sie ins Berufsleben einsteigen wollte. Ihre Lehrerin Schwester Johanna hatte jedoch andere Pläne: "Die brauchen dringend jemanden beim Caritasverband, da stellst du dich vor." So kam sie ins Vorzimmer des damaligen Caritasdirektors Dr. Ludwig Staufer, dessen Sekretärin wegen Mutterschaft ausgeschieden war. Ein Sprung ins eiskalte Wasser: Eine offizielle Ausbildung sah man damals noch nicht als notwendig an, und die ganze Einführung durch die Vorgängerin bestand in einem kurzen Treffen.

Aber sie war in ihrer Klasse mit Abstand die Schnellste beim Maschinenschreiben und stenografieren gewesen - und ein braves, katholisch erzogenes Mädchen. Das empfahl sie für die Stelle. Aber es war nicht einfach: "Ich bin manchmal weinend nach der Arbeit nach Hause. Dr. Staufer war ein Choleriker, und ich war doch erst 16 Jahre alt und beruflich völlig unerfahren." Eine "richtige" Berufsausbildung machte sie erst mit 27 Jahren berufsbegleitend zur "staatlich geprüften Sekretärin". Aber zunächst ging sie im Juni1973 zu Reinhold Reitze, der mit seinem Team die Suchtkrankenhilfe aufbaute. "Herr Reitze war Sozialarbeiter, und er hat mich von Anfang an als vollgültiges Mitglied des Teams betrachtet, mich in alles mit einbezogen. So war ich für meine Arbeit immer informiert, aber auch menschlich fühlte ich mich wohl. Es war ein wunderbares Team."

 Rita Seiler erinnert sich: "Süchtige, es ging damals fast ausschließlich um Alkoholsucht, waren voller Scham wegen ihrer Erkrankung. Dem 18-jährigen Mädchen, das ich damals war, haben sie gar nicht ins Gesicht schauen wollen. Später, als ich älter wurde, hat sich das geändert." Das Referat änderte im Laufe der Jahre mehrfach den Namen und den Standort: Von der Webergasse in die Große Gailergasse, dann in die Bahnhofstraße, dann in die Gilgenstraße, bis das heutige Referat Suchtkrankenhilfe 2016 in die Ludwigsstraße 13a zog.

Rita Seiler hat auch über die Jahrzehnte die Veränderung des Berufsbildes der Sekretariatskraft erlebt, von der Ausrüstung mit Schreibmaschine und Stenoblock, als sie 1971 anfing, bis zu den heutigen Organisationsaufgaben mit der modernen Computerausstattung. "Das ist überhaupt kein Vergleich mehr mit damals, als man zum Diktat gerufen wurde." Aber eines hat sie sichergestellt: "Meine Nachfolgerin soll nicht erleben, was ich bei meinem Einstieg erlebt habe. Ich habe einen richtigen schriftlichen Leitfaden für sie gemacht."

Nach ihrem Ausscheiden wird es ihr nicht langweilig werden: Geht alles planmäßig, kommt am 1. November das dritte Enkelkind auf die Welt. Sie freut sich, für die Familie, Ehemann, zwei Töchter und die Enkelkinder mehr Zeit zu haben, und Haus und Garten sollen auch nicht zu kurz kommen.  

 Text und Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer / Andrea Dölle

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